Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Hier finden Diskussionen einen Platz, die in keines der anderen Hobbyforen passen.

Moderator: Forenteam

Antworten
Rbn
Mitglied
Beiträge: 113
Registriert: Mo Aug 28, 2017 22:03

Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Beitrag von Rbn » Fr Sep 07, 2018 15:07

Hallo zusammen,


es gibt ja bekanntlich Arten die zu Kannibalismus neigen z.B. Lampropelten oder Ophiophagus. Die Frage, die sich mir stellt ist nun, wie minimiert man das Risiko, dass sich zwei Tiere, die man Verpaaren will, beim zusammentreffen im Terrarium gegenseitig versuchen zu verspeisen? Gibts da "Tricks", die ich nicht kenne? Wie gut funktionieren die? Was tut man als Halter, wenn die Tiere dann doch mehr Hunger als Drang zur Paarung haben?

Bisher habe ich nur Arten Nachgezogen denen Kannibalismus relativ fremd ist. Deswegen entschuldigt, wenn die Fragen für den ein oder anderen unter euch an Alter Hut sind.


Danke vorab für die Antworten!

Don Pedro
Mitglied
Beiträge: 1431
Registriert: Do Feb 15, 2007 12:05
Wohnort: Patergassen

Re: Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Beitrag von Don Pedro » Fr Sep 07, 2018 18:25

Ich hatte nie ein derartiges Erlebnis mit Lampropelten, und ich hielt/halte einige Arten ganzjährig zusammen.
Die meisten derartigen Unfälle hatte ich bei Arten oder Gattungen zu verzeichnen, die wenig oder gar nicht für Kannibalismus bekannt sind, z. B. Europäische Vipern (aspis, ammodytes), Kobras (wenigstens teilweise bekannt), Colubriden wie Pituophis - und Königspythons.
Daneben noch bei Nachtbaumnattern - aber dort ist's fast vorprogrammiert.
Entweder hatte ich mit Königs- und Kettennattern immer Glück, oder es wird etwas übertrieben....

Rbn
Mitglied
Beiträge: 113
Registriert: Mo Aug 28, 2017 22:03

Re: Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Beitrag von Rbn » Fr Sep 07, 2018 18:34

Don Pedro hat geschrieben:
Fr Sep 07, 2018 18:25
Ich hatte nie ein derartiges Erlebnis mit Lampropelten, und ich hielt/halte einige Arten ganzjährig zusammen.
Die meisten derartigen Unfälle hatte ich bei Arten oder Gattungen zu verzeichnen, die wenig oder gar nicht für Kannibalismus bekannt sind, z. B. Europäische Vipern (aspis, ammodytes), Kobras (wenigstens teilweise bekannt), Colubriden wie Pituophis - und Königspythons.
Daneben noch bei Nachtbaumnattern - aber dort ist's fast vorprogrammiert.
Entweder hatte ich mit Königs- und Kettennattern immer Glück, oder es wird etwas übertrieben....
Hmmm ok, gut zu wissen. Von Lampropelten habe ich es immer wieder gelesen, von Naja mal gehört, dass Kannibalismus vorkommt. Aber ein wirkliches Mittel bzw. eine Vorgehensweise solche Unfälle zu verhindern gibt's eher nicht, oder? Ich meine wie z.B. in der Aquaristik, wo man Tiere, die Schwierigkeiten miteinander haben, mithilfe von Gaze/Netzboxen aneinander gewöhnt ohne, dass sie sich gegenseitig was tun können.
Dass das bei den Nachtbaumnattern vorkommt ist mir neu, allerdings habe ich danach noch nie recherchiert.

Was tut man denn als Pfleger im besten Fall, wenn es zu einem solchen Unfall kommt?

Don Pedro
Mitglied
Beiträge: 1431
Registriert: Do Feb 15, 2007 12:05
Wohnort: Patergassen

Re: Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Beitrag von Don Pedro » Fr Sep 07, 2018 18:47

"Aneinander gewöhnen", etwa durch Gitter-Abtrennungen, bringt rein gar nix. Die meisten, wenn nicht alle derartigen Unfälle, geschehen nach Monaten oder Jahren friedlichen Zusammenlebens völlig überraschend. Den Fall, wo Einer gleich nach dem Zusammensetzen den Anderen wegfrisst, gibt's eigentlich unter gleichen Arten bei annähernd gleicher Grösse kaum - ausser natürlich man setzt einer Königskobra eine schöne Rattennatter in's Gehege....oder einer Kettennatter eine kleine Klapperschlange.

Spielverderber
Mitglied
Beiträge: 1894
Registriert: Sa Okt 12, 2013 18:20

Re: Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Beitrag von Spielverderber » Fr Sep 07, 2018 18:48

Meine ehemaligen Lampropeltis getula habe ich nur unter Aufsicht zusammengesetzt. Je deutlicher der Größenunterschied, desto unwahrscheinlicher die Verpaarung, desto wahrscheinlicher panikartiges Verhalten des kleineres Tieres, in meinem Fall des Weibchens. Solche Versuche habe ich dann schnell abgebrochen.

Lampropeltis mexicana z.B. liessen sich bei mir dauerhaft als Paar oder Gruppe halten, so denn eine Verpaarung gewünscht war.

Bei adulten männlichen Boaedon mußte ich mehrfach "Übergriffe" beobachten, und halte die seitdem nur noch einzeln. Bei Weibchen ist eine Gruppenhaltung noch nie ein Problem gewesen.
Rbn hat geschrieben:
Fr Sep 07, 2018 18:34
Was tut man denn als Pfleger im besten Fall, wenn es zu einem solchen Unfall kommt?
Da man vermutlich nur selten dauerhaft dabei sitzt, hat man gewöhnlich kaum eine Chance einzugreifen. Wenn man Zeuge eines solchen "Übergriffes" wird, versucht man die Tiere voneinander zu trennen. Je nach Tier, Größe und Gemüt kann man unterschiedliche Mittel wählen. Oft kann man das Maul manuell öffnen und die beiden so auseinanderbekommen. Solange sie "nur" ineinander verbissen sind, kann man sie unter kaltem Wasser schnell voneinander trennen. Keine schöne Lösung, aber darum geht es in so einer Situation vermutlich auch gar nicht. Frisst ein Tier bereits das andere, kann man versuchen das "Futtertier" wieder herauszuziehen. Ob es dann noch lebt oder bereits nicht mehr, ist eine andere Frage.

@ Don Pedro
Kannibalismus bei Python regius? Darf ich nach den Umständen fragen?

Don Pedro
Mitglied
Beiträge: 1431
Registriert: Do Feb 15, 2007 12:05
Wohnort: Patergassen

Re: Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Beitrag von Don Pedro » Fr Sep 07, 2018 19:13

Spielverderber: Keine besonderen Umstände, auch keine Fütterung, nicht mal Futtertiergeruch. Am Morgen war der Eine einfach zick-zack-mässig zusammengeschoben im Anderen drin. Auswürgen hat der erschöpfte Täter nicht geschafft, und auch er hat's demzufolge nicht überlebt.

Rbn
Mitglied
Beiträge: 113
Registriert: Mo Aug 28, 2017 22:03

Re: Verpaarung von Arten die zu Kannibalismus neigen

Beitrag von Rbn » Fr Sep 07, 2018 20:41

Don Pedro hat geschrieben:
Fr Sep 07, 2018 18:47
Die meisten, wenn nicht alle derartigen Unfälle, geschehen nach Monaten oder Jahren friedlichen Zusammenlebens völlig überraschend.
Danke für die Aufklärung! Dem war ich mir garnicht so bewusst. Folglich ist die sicherste Methode für die Tiere wohl die getrennte Haltung und die Zusammentreffen der Tiere auf die Paarungen zu beschränken. Vorausgesetzt natürlich man hat den Platz.
Don Pedro hat geschrieben:
Fr Sep 07, 2018 18:47
Den Fall, wo Einer gleich nach dem Zusammensetzen den Anderen wegfrisst, gibt's eigentlich unter gleichen Arten bei annähernd gleicher Grösse kaum - ausser natürlich man setzt einer Königskobra eine schöne Rattennatter in's Gehege....oder einer Kettennatter eine kleine Klapperschlange.
Das geht dann auch wirklich eher in die Kategorie "Fütterung", wobei ich wohl keine Klapperschlange "mal eben" für eine Kettennatter opfern würde.
Spielverderber hat geschrieben:
Fr Sep 07, 2018 18:48
Je deutlicher der Größenunterschied, desto unwahrscheinlicher die Verpaarung, desto wahrscheinlicher panikartiges Verhalten des kleineres Tieres, in meinem Fall des Weibchens. Solche Versuche habe ich dann schnell abgebrochen.
Kurz nach dem Zusammensetzen habe ich auch schon panische Tiere erlebt. Zwar kam es nie zu übergriffen, aber dennoch führte das dazu, dass ich die Verpaarung zu einem späteren Zeitpunkt erneut versucht habe. Gelegentlich dann auch mit Erfolg und ohne "Panikattacken" des kleineren Tieres.
Ich habe allerdings auch zwei Kletternattern, die sogar ähnlich groß sind, aber sich dennoch wohl "nicht ausstehen" können. Verpaarungsversuche hatten da noch nie Erfolg.

Danke euch beiden für die Aufklärung!

Antworten