Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

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Temple_of_Snakes
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Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Temple_of_Snakes » Di Nov 15, 2016 15:52

[MOD]: Abgetrennt von Fragen zur Königspython

Erstmal habe ich nie das Tier vermenschlicht. Ich finde es nur unglaublich ignorant, dass man, nur weil es sich um ein nicht domestiziertes oder auch nicht domestizierbares Reptil handelt, immer davon ausgeht, dass diese Tiere nicht lernfähig seien. Ich unterstelle zwar nicht, dass die Tiere euphorisch sind, wenn der Halter sie anfasst oder im Wahrnehmungsbereich des Tieres ist, aber eine erhöhte Herzfrequenz immer gleich mit Angst oder negativem Stress gleichzusetzen, ist genau so zu belächeln. Wenn ein Tier ohne für dieses Tier oder diese Art typische Drohgebärden auf mich zukommt, keine Abwehrhaltung zeigt oder flüchtet, scheint es dem Tier nicht zu schaden (v.a. wenn das gewöhnliche Verhalten des Tieres sich nicht dadurch ändert).

Zu dem Punkt "Schlangentatscher": Das ist ziemlich beleidigend, denn es unterstellt, dass ich ohne jegliche Bedenken oder Vorsicht mit den Tieren jongliere oder sonst was anstelle. Das ist definitiv nicht der Fall. Ja, zwar hat Tobiaskondaschwanz in dem Sinne Recht, dass es "auch anders geht", jedoch verstehe ich nicht so ganz die Sinnhaftigkeit darin, Schlangenhaken zu verwenden, um das Tier zu handlen, wenn ich diese nicht benötige bzw. es für das Tier auch merklich keinen Unterschied macht, ob ich es nun per Hand oder Haken aus dem Terrarium nehme.

Genauso wie ich jedem zugestehe, seine Schlangen nur mit Haken und nur im absoluten Bedarfsfall zu hantieren, ohne dass ich es bewerte oder beleidigend werde, kann man mir ja wohl auch das selbe Recht einräumen.

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Tobiaskondaschwanz
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Tobiaskondaschwanz » Di Nov 15, 2016 17:22

Kann man das Thema verschieben? Ich hätte nähmlich gerne noch das ein oder Andere dazu gesagt.

Ps: das ganze ist nicht böse gemeint!

Spielverderber
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Spielverderber » Di Nov 15, 2016 18:32

Temple_of_Snakes hat geschrieben:Grundsatzdiskussion hin oder her, solang niemand mit 'nem EEG oder vergleichbarem belegen kann, dass Handling der Schlange trotz Gewöhnung pure Existenzangst beim Tier auslöst, mache ich mir da keine großen Gedanken drum.


Vielleicht solltest Du selbst mit Deiner Wortwahl nicht übertreiben, wenn Du fachlich fundierte Informationen zu diesem Thema wünschst.

http://rogermeekherpetology.com/PDFs/45 ... %20HND.pdf
http://www.rogermeekherpetology.com/PDF ... %20HND.pdf

Mir ist schon klar, daß es in diesen Arbeiten um Pogona geht, nicht um Schlangen. Dennoch solltest Du das mal in Ruhe lesen und drüber nachdenken.

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Tobiaskondaschwanz
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Tobiaskondaschwanz » Di Nov 15, 2016 19:26

Ich finde es ignorant sämtliche Wissenschaftliche fundierte Fakten zu ignorieren. Warum hat denn deiner Meinung nach das Tier eine erhöhte Herzfrequenz, sicherlich nicht wie du schon selber sagst aus Euphorie und freude.

"Wenn ein Tier ohne für dieses Tier oder diese Art typische Drohgebärden auf mich zukommt, keine Abwehrhaltung zeigt oder flüchtet, scheint es dem Tier nicht zu schaden (v.a. wenn das gewöhnliche Verhalten des Tieres sich nicht dadurch ändert)."

Ich wiederhole mich aber es ist doch ein Unterschied ob ein Tier etwas über sich ergehen lässt, oder ob es ihm egal ist.
Im übrigen hat dir keiner unterstellt das du mit deinen Tieren jonglierst oder sonst was machst, wie du siehst unterstellst du uns etwas und nicht umgekehrt.

" Ja, zwar hat Tobiaskondaschwanz in dem Sinne Recht, dass es "auch anders geht", jedoch verstehe ich nicht so ganz die Sinnhaftigkeit darin, Schlangenhaken zu verwenden, um das Tier zu handlen, wenn ich diese nicht benötige bzw. es für das Tier auch merklich keinen Unterschied macht, ob ich es nun per Hand oder Haken aus dem Terrarium nehme."

Ich habe nie gesagt das man das Tier mit Schlangenhaken rausnehmen soll/muss. Mir geht es um den Sinn des sinnlosen anfassens. Denn das Argument mit dem Notfall hinkt, ich stresse das Tier doch nicht 500 mal damit es in einer Notfallsituation nicht mehr so gestresst reagiert.

MfG.

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Matthias
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Matthias » Di Nov 15, 2016 20:32

Hallo,
Tobiaskondaschwanz hat geschrieben:damit es in einer Notfallsituation nicht mehr so gestresst reagiert

Das Tier ist in einer Notfallsituation so der so gestresst. Es wird eingepackt, im Auto durchgeschüttelt und ist dann in einer Tierarztpraxis wo es komplett anders aussieht und riecht, als "zuhause".

Manche Tiere gewöhnen sich mit der Zeit an einen Pfleger / das Handling, andere nicht. Trotzdem stellt sich die Frage: Muss das sein?

Manche meiner Tiere sind auf dem Haken deutlich entspannter gewesen als wenn man sie mit der Hand rausgenommen hat.

Wenn ein Tier gehandelt werden muss, dann wird das, der Situation entsprechend, so stressfrei wie möglich getan. Ich sehe keinen Grund ein Tier 1x pro Woche zu handeln, für den Fall, dass es irgendwann mal in einer Notfallsituation gehandelt werden muss.
Gruß
Matthias

Spielverderber
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Spielverderber » Di Nov 15, 2016 21:45

Nachdem das Thema nun seperat weitergeführt wird, mal ein paar Fragen an die Pro-Handling-Fraktion:

Warum werden Wildtiere in Terrarien gehalten?

Was hat das Reptil vom Körperkontakt zum Menschen, was der Mensch umgekehrt vom Körperkontakt zum Reptil?

Warum wird so viel vom Verhalten eines Wildtieres in Gefangenschaft falsch interpretiert und vermenschlicht? Warum ist das erstaunlicherweise bei privat gehaltenen Tieren sehr viel öfter so, als beispielsweise bei Zootieren?

Weiß hier irgendwer wie Reptilien wirklich funktionieren?

Warum wird jede fachliche Grundlage, die klar gegen das handling spricht, ausgeblendet und kaputtgeredet, weil das eigene Reptil ja sooo individuell ist und auf einen reagiert und auch ganz ohne Zwang auf einem rumklettert wenn das Terrarium aufgeht und so weiter und so fort?

Temple_of_Snakes
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Temple_of_Snakes » Mi Nov 16, 2016 0:40

Frage 1:

Die einfachste Antwort, die möglich wäre, ist: "Weil der Mensch es kann.". Im Falle der meisten Tiere geht es definitiv nicht um Arterhalt, sondern um die schlichte Faszination an besagtem Tier.


Frage 2:

Menschen wollen begreifen. Und das tun sie nunmal mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Sinnen, wobei der Tastsinn bei den meisten am ausgeprägtesten ist. Ein Tier, das man anfassen kann, ist in der Regel einfacher zu begreifen, als eines, dass man nur ansieht bzw. nur ansehen kann. Abgesehen davon, dass es "das Reptil" nicht gibt und wohl niemand auf die Idee käme, ein Krokodil mit einer Schlange gleichzusetzen, gibt es keinen genau definierten Mehrwert seitens des Tieres. Reptil ist lediglich ein Taxon, das sogar aus wissenschaftlicher Sicht nicht all zu häufig angewendet wird. Somit ist die Frage nicht eindeutig zu beantworten. Wenn du damit auf Dinge wie emotionalen/sozialen Mehrwert etc. anspielen möchtest, so ist dieser bisher nur bei einigen Säugetieren und Vogelarten nachgewiesen/gesichert. Wie und ob es sich bei Reptilien verhält, ist letztlich überhaupt nicht geklärt.


Frage 3:

Kann ich dir nicht beantworten, da ich meine Tiere nicht vermenschlicht betrachte.


Frage 4:

Konkretisiere die Fragestellung und ich bin mir sicher, dass wir auch darauf eine Antwort finden.

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vampyr
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon vampyr » Mi Nov 16, 2016 9:07

Spielverderber hat geschrieben:Weiß hier irgendwer wie Reptilien wirklich funktionieren?


Hierzu fällt mir ein Satz meines ehemaligen Biologielehrers ein, der in den der bereits in den 60er und 70er Jahren ein begeisterter Terrarianer war:

"Reptilien sind einfach gestrickt: was kleiner ist als sie wird gefressen, was gleich groß ist mit dem wird sich gepaart und was größer ist, vor dem hat man Angst"

Sicherlich ist dies eine einfache Erklärung für einen 5- Klässler der ich damals war, sicherlich sind die Tiere um einiges differenzierter, aber in dem Satz steckt auch sehr viel Wahrheit!

Gruß vampyr
If you can't stand the heat, get out of the kitchen :evil:

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Jensli
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Jensli » Mi Nov 16, 2016 13:02

vampyr hat geschrieben: "Reptilien sind einfach gestrickt: was kleiner ist als sie wird gefressen, was gleich groß ist mit dem wird sich gepaart und was größer ist, vor dem hat man Angst"



Ein Nilkrokodil hat vor einem ungleich größeren Zebra überhaupt keine Angst, insofern ist der Satz schon bei der erstbesten Reptilienart, die mir gerade einfällt, bereits widerlegt. :roll:

Das absolute Nicht-Handling, weil die schutzbedürftige Kreatur ansonsten in ihrem "rundumsorglos"-Lebensraum Terrarium gestört, schlimmstenfalls sogar bis zur Herzfrequenzerhöhung gestresst wird, ist übrigens auch eine Vermenschlichung. Denn hier werden Fakten mit Emotionen gleichgesetzt.

Also - never ever handling? Ich wünschte, mein Arbeitgeber würde mit mir, seinem Mitarbeiter, nur für eine Woche ebenso sensibel verfahren. Pustekuchen. Stimmen meine Leistungskennzahlen nicht, werde ich mit Worten "gehandelt" und was dies mit meiner Herzfrequenz und meinem Blutdruck macht, würde jeden Tierfreund in den Suizid treiben...
Aussagekräftiger als alle Studien mit Herzfrequenzmessung und emotionaler Scheinargumentation ist der schlichte Fakt: in Menschenobhut gehaltene (und gehandelte) Schlangen werden deutlich älter als sämtliche "Kollegen" in freier Wildbahn. Mir sind persönlich einige Alters-Rekordhalter bekannt, die regelmäßig angefasst werden und sei es nur zur Fütterung. Diese Tiere müssten inzwischen alle längst an Herzrasen verstorben sein. Tun sie aber nicht. Im Gegenteil. Sie vermehren sich sogar und bekommen im Alter oft ähnliche Erkrankungen wie wir: Gefäßverkalkung, Fettleber, (Haut-)Tumore. Das Handling entspricht (und ersetzt) eher die in der freien Natur alltäglichen "Aufregern" denen jedes Wildtier nun einmal ausgesetzt ist: Kommentkämpfe, Partnerwahl, Kampf mit einem wehrhaften Beutetier, Flucht vor einem (vermeintlichen) Beutegreifer, etc.
Damit wir uns richtig verstehen: ich grabsche meine Nattern nicht grundlos täglich heraus. Nicht mal für Besuch. Wenn ich aber die Behausung öffne und die Natter auf meine Hand kriecht, schubse ich sie auch nicht weg, sondern lasse sie machen.
Nur am Rande: Pferde springen von Natur aus nur im äußersten Notfall über hohe Hindernisse, jedes Springturnier stresst so manches Pferd bis an die Grenze, dennoch erreichen die meisten (so man ihnen das Gnadenbrot gewährt) ihr pferdetypisches Alter und meist darüber hinaus.

Handling von Reptilien ist ein unnötig aufgebauschtes Thema. Der eine tut es, der andere Verteufelt es. Wir haben ganz andere Sorgen. Weltweit sterben die Reptilien schneller aus, als man seinen Königsypython zu Tode gestreichelt hat...
Zuletzt geändert von Jensli am Mi Nov 16, 2016 13:57, insgesamt 1-mal geändert.
Die Dionenatter: http://www.dionenatter.de

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Tobiaskondaschwanz
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Re: Grundsatzdiskussion - Handling von Reptilien

Beitragvon Tobiaskondaschwanz » Mi Nov 16, 2016 13:27

@Jensli

Hallo, schön zu sehen das die Argumentation für das Handling nicht immer total schwachsinnig sein muss.

Allerdings finde ich das es trotzdem unnötig ist die Schlange öfter zu handeln wie nötig. Denn der Sinn dahinter ist mir nach wie vor nicht klar. Die Sichtweise die du vertrittst kann ich nachvollziehen. Doch glaube ich nicht das in der Natur andauernd ein Mensch kommt und eine Schlange 5 mal die Woche anfässt und stresst. Natürlich sind sie in der Natur noch ganz anderen Dingen ausgesetzt, aber muss ich deswegen meine Schlange unnötig nerven?

Zum Thema Altersrekord kann ich nur sagen das Tiere schon unter den unmöglichsten Bedingungen älter geworden sind wie in freier Natur. Das spricht aber nicht für die Haltung, bestenfalls dafür das es in Gefangenschaft keine Fressfeinde und Wettererscheinungen gibt wie in der Natur.

MfG


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