Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

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Rbn
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Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Rbn » Di Aug 28, 2018 3:29

Hallöchen zusammen!

Ich hab da mal eine Frage, wie hier unter den erfahrenen Haltern die Mindestanforderungen umgesetzt werden (oder dies auch nicht werden), weil ich ebend über was gestolpert bin, was mich stutzig gemacht hat:

Vorhin surfte ich ein bisschen durch das Netz und fand Bilder von einem Terrarium mit einer (laut Bildunterschrift) ausgewachsenen N. haje darin, die ja immerhin bis zu 2 m lang werden. Das Exemplar das da auf dem Bild zu sehen waren, ist wohl nicht ganz so lang aber 1,8 m ist das Tier sicher. Wenn ich jetzt die Haltungsrichtlinien zurate ziehe (witzigerweise hatte ich die Angabe im Kopf), müsste ein Terrarium für ein Tier der Gattung Naja immerhin 1,5x0,75x0,75 (LxBxH) mal die Körperlänge groß sein. Ohne, dass ich den Halter, dessen Website oder ein Bild davon hier posten werde, das möchte ich schlicht nicht, weil das wohl wie ein "an den Pranger stellen" wäre, kann ich euch versichern: Keines dieser Maße wurde von Terrarium erfüllt. Die notwendige Länge bestenfalls zu 60%. Großzügig geschätzt.
Jetzt zur eigentlichen Frage: Ist das bei so außerordentlich großen Vertretern einer Gattung (Gibt natürlich noch größere z.B. N. arabica mit 2,4 m laut http://www.toxinology.com/fusebox.cfm?f ... &id=SN0232) vertretbar die Richtlinie außer acht zu lassen? Ist das sogar gängige Praxis? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diejenigen, die solche Tiere halten ein 3,6x1,8x1,8m Terrarium haben.

Solche Sachen sieht man natürlich auch bei anderen Gattungen, aber bei den Kobras war's mir grade so ins Auge gestochen, weil ich die Diskrepanz zwischen Tier, Terrarium und den Angaben der Richtlinien doch extrem finde.

Don Pedro
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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Don Pedro » Di Aug 28, 2018 7:59

Mit der Grösse von Naja arabica hast Du Dich verschaut - auf der betreffenden Seite ist 150 cm angegeben, was in etwa als Maximalgrösse hinkommen dütfte. Generell würde ich dieser Seite jedoch bei den allgemeinen Angaben zu den Arten nicht trauen. Naja arabica ist als Angehörige der Untergattung Uraeus und als ehemalige Unterart von Naja haje sicher keine Speikobra, wie dort behauptet wird.
Wo hast Du diese Richtlinien her? Scheinen mir etwas übertrieben.

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Thapsus
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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Thapsus » Di Aug 28, 2018 8:09

Hier in den Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien (1997) wird diese Anforderung aufgestellt: http://www.bmel.de/cae/servlet/contentb ... tilien.pdf (Seite 48 unten).

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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Don Pedro » Di Aug 28, 2018 8:33

Scheint mir doch sehr willkürlich zu sein. Viele andere Gattungen haben andere Werte (o,5 für die Länge, resp. 0,75, 1,0 oder 1,25).
Wo bleibt da die Verhältnismässigkeit, wenn man für Naja spp. von 150 cm dieselbe Terrarienlänge wie für eine Ophiophagus von 3 Metern braucht?
Hier in Österreich haben wir ähnlichen Unsinn - Terrarien für Monokelkobras ( Adulti ca 150 cm) müssen grösser sein als diejenigen von Weisslippenkobras (Adulti ca. 250 cm).

Andreas Hohmeister
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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Andreas Hohmeister » Di Aug 28, 2018 9:23

Wie Rbn schreibt handelt es sich bei diesem "Gutachten" lediglich um eine Richtlinie, d.h. man kann sich daran orientieren, muss es aber nicht. Rechtsverbindlichkeit besteht nicht, diese Richtlinie ist meines Wissens auch nie z.B. als Erlass im Staatsanzeiger veröffentlicht worden. Sie dient lediglich der Verwaltung (also den zuständigen Behörden wie Naturschutz- oder Artenschutzbehörde, Veterinäramt) als Hilfsinstrument zum Verwaltungsvollzug. D.h., wenn man die dort vorgegebenen Empfehlungen einhält oder sogar übertrifft ist man formal auf der "sicheren" Seite. Umgekehrt bedeutet das jedoch nicht, dass z.B. bei Unterschreitung der "empfohlenen" Terrariengröße gleich alles im Argen liegt, da z.B. gerade bei Schlangen der Parameter "Behältergröße" im Vergleich zu anderen Haltungsparametern wie Temp., Licht, Strukturierung des Terras usw. weniger in´s Gewicht fällt wie etwa bei sehr bewegungsintensiven Echsen (z.B. Physignatus sp.). Das hat schon 10 Jahre zuvor Ludwig Trutnau (RIP) in seinem wegweisenden Buch "Schlangen Bd.1" erkannt, wo er z.B. als Behältergröße für Lampropeltis getula 80X40X40 cm als ausreichend angibt. Punkt!

Zum "Inhalt" des Gutachtens hatte ich mich schon mehrfach vor 20 Jahren geäußert, daher hier nur der Hinweis: einigen der Autoren haben bis kurz vor dem Erscheinen wohl kaum die Möglichkeit gehabt, die meisten der besprochenen Arten überhaupt jemals lebend gesehen zu haben und dürften über Elaphe schrenkii, Gloydius blomhoffi oder Alsophis cantherigerus hinaus kaum eigene Haltungserfahrungen gehabt haben. Insofern verwundern die Angaben zu den Arten eigentlich nicht... ;-)

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Matthias
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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Matthias » Di Aug 28, 2018 9:41

Hallo,
bei den Najas hatte wohl irgendwer gemeint, dass sie mehr Platz bräuchten, weil sie giftig sind, zwecks Handling und so. Eine gleich große, ungiftige, Natter würde auch nur in 1x0,5x0,5 gehalten werden. Viel kleiner würde ich allerdings nicht gehen, weil es sich dann nicht mehr so schön einrichten lässt (Verhältnis Tier zu Behälter) und das Tier schlichtweg etwas Platz braucht.
Gruß
Matthias

Spielverderber
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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Spielverderber » Di Aug 28, 2018 11:31

Andreas Hohmeister hat geschrieben:
Di Aug 28, 2018 9:23
Das hat schon 10 Jahre zuvor Ludwig Trutnau (RIP) in seinem wegweisenden Buch "Schlangen Bd.1" erkannt, wo er z.B. als Behältergröße für Lampropeltis getula 80X40X40 cm als ausreichend angibt. Punkt!
Solche Angaben sind noch sehr viel weniger in Stein gemeisselt als das oben genannte Gutachten. Sollte irgendeine Behörde aus irgendeinem Grund zu einer Kontrolle im Haus sein, kann man mit dem ollen Trutnau argumentieren wie man will... die werden sich am Gutachten orientieren. Und ja, hier im Landkreis vermessen sie die Terrarien tatsächlich.

Warum sollte nun ausgerechnet Trutnau das Maß der Dinge sein? Wenn ich überlege, wie groß zwei meiner Tiere aus dem getula-Komplex waren, wären 80x40x40 pure Tierquälerei. Für den Halter sind kleinere Terrarien natürlich angenehmer, weil in jeder Hinsicht kostengünstiger. Was hat das Tier davon, wenn ihm jede Möglichkeit der Bewegung fast vollständig genommen wird, und es sich bestenfalls im Kreis drehen kann?

Wer sowas befürwortet, wird das Buch von Thissen und Hansen lieben. Der hat 1996 geschrieben, ich zitiere: "Meine getula-Arten halte ich einzeln in Terrarien, die 50cm lang, 60cm tief und 40cm hoch sind.

1979 mag das Buch von Trutnau großes Kino gewesen sein. Aber heute...?!

Ich bin kein Freund des BNA-Gutachtens. Das ist mir aber immer noch lieber, als irgendwelche annodazumal publizierten Haltungsempfehlungen.

Rbn
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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Rbn » Di Aug 28, 2018 11:44

Don Pedro hat geschrieben:
Di Aug 28, 2018 7:59
Mit der Grösse von Naja arabica hast Du Dich verschaut - auf der betreffenden Seite ist 150 cm angegeben, was in etwa als Maximalgrösse hinkommen dütfte. Generell würde ich dieser Seite jedoch bei den allgemeinen Angaben zu den Arten nicht trauen.
Einige Zeilen unter den von dir genannten 150 cm findet sich die Angabe mit den 240 cm als Maximallänge. Aber wenn der Seite nicht so ganz zu trauen ist (Klar ist N. arabica nicht speiend) und du sagst, dass 150 cm mit der Endgröße hinkommt, glaub' ich das mal. Dann bleiben wir bei N. haje mit 2 m. Wäre immer noch ein Wahnsinns-Terrarium von immerhin 3x1,5x1,5m
Matthias hat geschrieben:
Di Aug 28, 2018 9:41
bei den Najas hatte wohl irgendwer gemeint, dass sie mehr Platz bräuchten, weil sie giftig sind, zwecks Handling und so. Eine gleich große, ungiftige, Natter würde auch nur in 1x0,5x0,5 gehalten werden. Viel kleiner würde ich allerdings nicht gehen, weil es sich dann nicht mehr so schön einrichten lässt (Verhältnis Tier zu Behälter) und das Tier schlichtweg etwas Platz braucht.
So ähnlich dachte ich mir das schon, denn wie gesagt: Ein 2,5 m langes (u. ggf. länger) Terrarium hat von den Haltern, die solche Tiere halten und deren Anlagen im Internet sichtbar sind, keiner. Ist natürlich unglücklich, wenn die Amtsveterinäre wirklich mal nachmessen kommen.
Spielverderber hat geschrieben:
Di Aug 28, 2018 11:31
Ich bin kein Freund des BNA-Gutachtens. Das ist mir aber immer noch lieber, als irgendwelche annodazumal publizierten Haltungsempfehlungen.
Dann kann man also annehmen, dass deine Terrarien alle der Haltungsrichtlinie entsprechen? ;-)

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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Spielverderber » Di Aug 28, 2018 12:01

Rbn hat geschrieben:
Di Aug 28, 2018 11:44
Dann kann man also annehmen, dass deine Terrarien alle der Haltungsrichtlinie entsprechen? ;-)
Ich bin kein Freund davon, Tiere regelmäßig zu vermessen und danach meine Terrarien zu planen. Ich entnehme der Literatur die maximale Größe, die eine Art erreichen kann, werfe einen Blick auf das Gutachten und runde dann gewöhnlich recht großzügig auf. In den Fällen, in denen ich das Gutachten als lächerlich empfinde, entnehme ich der Literatur die maximale Größe, die eine Art erreichen kann, informiere mich intensiv über die natürliche Lebensweise und plane dann ein Terrarium. Das kann dann schonmal das vier- bis sechsfache Volumen dessen sein, was laut Gutachten mindestens sein sollte.

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Re: Einhaltung der Mindestanforderungen zur Haltung von Reptilien

Beitrag von Njoerchie » Di Sep 25, 2018 15:47

Generell sollen die laut Richtlinien vorgeschlagenen Mindestmaße eingehalten werden.
In einigen Landkreisen schauen die Amtsveterinäre bei einem vorbei und vermessen die Terrarien.
Bei uns ist dies Gott sei Dank nicht der Fall.

Man kann bei einigen Arten(-komplexen) durchaus mehr Tiefe geben und dafür dann in der Breite/Länge etwas einsparen - dies soll jedoch eine unverbindliche Aussage darstellen und keinesfalls als Bezug gelten.

Gerade bei Jungtieren und auch sehr kleinen Arten arbeite ich lieber mit mehr Tiefe anstatt der Breite/Länge. :-)

VG, Jörg

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