Haftpflichtversicherung für Schlangen (Kornnatter)?

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boahalter_pb
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Beitragvon boahalter_pb » So Jan 12, 2014 23:32

Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit Versicherungsfällen kann man auch wie folgt erklären:

Ich weiss bereits im Vorfeld, dass wahrscheinlich etwas geschehen wird, das ich mit einem anderen Verhalten auf jeden Fall hätte vermeiden können.


z.B. Ich baue ein Terrarium für eine Tigerpython, das keinen Deckel hat, bzw. keine Decke oder keine Scheiben, oder halte das Tier als "Freigänger"... > grob fahrlässig, PHV wird bei Schäden nicht für diese aufkommen, bzw nur anteilig oder oder oder


im Straßenverkehr: Ich fahre betrunken und verursache einen Unfall, bei dem ich im Rollstuhl lande > private Unfallversicherung leistet nicht, bzw nur bis zu x,xx Promille , weil ich grob fährlässig gehandelt habe


meine nicht deliktfähigen Kinder unter 7 Jahren richten einen Schaden an, jedoch habe ich, oder die beaufsichtigende Person die Aufsicht verletzt >>> auch eine Form von Fahrlässigkeit





>>>>>folglich kann man sagen: wenn ich mich (grob) fahrlässig verhalte, gibt es Reibungspunkte. Ist jedoch alles im Grünen und ich habe die mir möglichen Maßnahmen getroffen, damit etwas nicht passieren kann und trotzdem passiert es, ist alles gut

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_alucard_
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Beitragvon _alucard_ » Mo Jan 13, 2014 17:51

Wobei manche Ansichten wirklich grenzwertig sind.
Nehmen wir mal ne Hausrat her, wenn du eine Tür hast, die du ranziehst und einen Schlüssel zum aufschließen brauchst, dann gilt es trotzdem als fahrlässig, wenn bei dir eingebrochen wird über die Tür, und du nicht abgeschlossen hast.
Also kurz, wenn man sagen kann, dass du einen Fehler gemacht hast.
Ich fand die Beispiele jetzt etwas überttieben dargestellt...... Terrarium ohne Scheiben klingt mir zu unwahrscheinlich.
Dann eher nicht komplett zu geschoben und das Tier Quetscht sich durch die Öffnung.

Wobei ich jetzt selbst mal fragen muss: ist es überhaupt möglich, dass irgendetwas mit dem Terrarium ist, ohne dass Fahrlässigkeit im Spiel ist? Letztlich sind doch sämtliche Fehler die da passieren können auf den Halter zurückzuführen, oder irre ich mich da?

dronas
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Beitragvon dronas » Mo Jan 13, 2014 18:08

_alucard_ hat geschrieben:Wobei ich jetzt selbst mal fragen muss: ist es überhaupt möglich, dass irgendetwas mit dem Terrarium ist, ohne dass Fahrlässigkeit im Spiel ist? Letztlich sind doch sämtliche Fehler die da passieren können auf den Halter zurückzuführen, oder irre ich mich da?


Hallo,
angenommen du stolperst (oder hast einen kleinen Kreislaufkollaps) , knallst mit dem Kopf durch die Terra - Scheibe und deine Giftschlange nutzt die Gelegenheit und haut ab. Da du noch bewusstlos bist, kannst du sie nicht so schnell verfolgen und musst nachher mit den Einsatzkraeften das ganze Gebiet absuchen ( weil es Sommer war und das Fenster offen ist ).

Wäre so ein Fall wo der "Fehler" nicht auf den Halter zurückzuführen ist. Die Abstufungen bei der Versicherung sind ( soweit ich weiss ) Unfall/höhere Gewalt , Fahrlässigkeit , grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz. Spätestens ab "grobe Fahrlässigkeit" wird es schwierig den Schaden ersetzt zu bekommen. Die Grenzen dazwischen sind allerdings fliessend und werden wohl oft erst vor Gericht festgelegt. Eigentlich sollte man neben der Haftpflichtversicherung auch gleich noch eine Rechtsschutzversicherung bei einem anderen Anbieter haben.

Gruss,
Dronas

boahalter_pb
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Beitragvon boahalter_pb » Mo Jan 13, 2014 18:54

@alucard


ja und nein, es ist mit Sicherheit immer eine genaue Prüfung durch die Versicherung vorprogrammiert, aber es gibt mit Sicherheit Fälle, bei denen diese leisten würde. Bei einem Hundehalter ist ja auch alles auf den Halter zurück zu führen, aber trotzdem wird geleistet....


Sicher waren die Beispiele nicht gerade aus dem Leben gegriffen, die Beispiele sollten ja schließlich nur zur Anschauung dienen... Wobei in Kanada bei dem war das Tier doch auch in einem oben offenen Becken.... und bei AnimalPlanet habe ich mal eine Sendung erhaschen können, wo ein Typ seine Boa C.C. in einem ebenfalls oben offenen Terrarium gehalten hat.... Ein kollege von mir hat vor ein paar Jahren auch seinen Tigerpython als Freigänger gehalten...bis der ihn dann mal gepackt hat, von da an war Terrarium angesagt :-)


@dronas:

Mit der Rechtsschutz hast du teils recht... ;-) Haben sollte man auf jeden Fall eine, egal ob es jetzt um Versicherungsvertragsrecht oder sonstige Probleme des täglichen Lebens geht... Kann aber ruhig bei der selben Gesellschaft sein, es gibt das Spartentrennungsgesetz :-)

Bestes Beispiel ist mein Arbeitgeber: Die Allgemeine sitzt zwar im selben Haus wie die Rechtsschutz AG, die beiden haben jedoch nichts mit einander zu tun. Selbst der Vorstand ist ein anderer. Und das ist überall so oder ähnlich

Seriva Senkalora
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Beitragvon Seriva Senkalora » Mo Jan 13, 2014 19:26

dronas hat geschrieben:Wäre so ein Fall wo der "Fehler" nicht auf den Halter zurückzuführen ist.
Dein konstruierter Fall hat einen Haken der dem Halter schnell das versicherungstechnische Genick brechen kann:
dronas hat geschrieben:( weil es Sommer war und das Fenster offen ist )
Die hätte man mit Gazen "schlangendicht" machen müssen - eine Lüftung ist auch durch feines Gitter mögllich.

Siehste, so schnell kann es gehen und man steht ohne Versicherungsschutz da.

Also doch überflüssig so eine "Schlangenhaftpflicht", da bei einem Entweichen des Tieres aus den eigenen vier Wänden und dem Zuschadenkommen von Dritten FAST IMMER ein Halterfehler vorliegt. Denn mal ehrlich, das Szenario, dass einem eine Abrissbirne die halbe Hauswand samt Terrarien zerfetzt ist dann doch recht unwahrscheinlich und dann haftet ohnehin der - hoffentlich versicherte - Bauherr. :-) Erdbeben und sonstige Naturgewalten können durchaus sowas anrichten, aber diese passieren hierzulande nun auch nicht allzu oft. Hier öffnen sich nur Löcher in Straßen. ;-)

LG
Seriva

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timo173
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Beitragvon timo173 » Di Jan 14, 2014 1:07

Mir fallen nur zwei Szenarios ein wo eine Haftpflichtversicherung zahlen würde:
1. Ich habe einen Blackout während ich das Terrarium geöffnet habe und die Schlange kriecht durch mein ganzes Haus und greift draußen eine dritte Person an.
2. Ein Einbrecher bricht das Schoß am Terrarium auf weil er Geld darin vermutet und die Schlange kriecht wieder raus...

Also ehrlich ich würde mich eher gegen außerirdische Invasionstruppen versichern, da ist die Chance höher Versicherungsleistungen zu bekommen.

Gruß Timo

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JHeart
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Beitragvon JHeart » Mi Jan 15, 2014 15:19

Seriva Senkalora hat geschrieben:Siehste, so schnell kann es gehen und man steht ohne Versicherungsschutz da.


timo173 hat geschrieben:Mir fallen nur zwei Szenarios ein wo eine Haftpflichtversicherung zahlen würde:
1. Ich habe einen Blackout während ich das Terrarium geöffnet habe und die Schlange kriecht durch mein ganzes Haus und greift draußen eine dritte Person an.
2. Ein Einbrecher bricht das Schoß am Terrarium auf weil er Geld darin vermutet und die Schlange kriecht wieder raus...

Also ehrlich ich würde mich eher gegen außerirdische Invasionstruppen versichern, da ist die Chance höher Versicherungsleistungen zu bekommen.


Wenn eine Haftpflicht ausschließlich zahlen würde, wenn eigene Fehler ausgeschlossen werden können, dann wären 99% der Autounfälle keine Haftpflichtschäden, denn hier ist die Unfallursache fast immer auf menschliche Fehler zurückzuführen.

Generell wird bei Versicherungen der Fall betrachtet und bewertet und kann auch bei eigenen Fehlern zu einer Regulierung des Schadens seitens der Versicherung führen. Spätestens bei vorsätzlichen Handlungen zahlt die Versicherung allerdings nicht mehr. Wenn aber bei einem selbst gebauten Terrarium das Lüftungsgitter rausgedrückt wird und die Schlange darüber entweichen kann, wird die Versicherung zahlen, denn man hat weder mit Vorsatz noch mit grober Fahrlässigkeit gehandelt.

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peregrinus
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Beitragvon peregrinus » Do Jan 16, 2014 13:05

Ich hatte auch schon verschiedene Versicherungsfälle, bei denen ich mir teils vorkam wie: JA, wir zahlen bei so einem Ereignis, aaaaaber nur dann, wenn Ihr Mann an dem Tag einen roten Pullover anhatte, es Mittags Nudeln mit Sahnesoße gab und der DAX um 15:32 Uhr bei 9476,6 Punkten war.
Natürlich wurde ich im Schadensfall auch schon vorbildlich entschädigt, aber wie schon gesagt sind die meisten zahlungsrelevanten Ereignisse mittlerweile so minutiös definiert, dass es bei Schäden, gerade im Bezug auf die Reptilienhaltung, bei der kleinsten persönlichen Beteiligung schnell auf Fahrlässigkeit hinauslaufen wird. Aber vermutlich läuft das sehr individuell, je nach Versicherung und Berater. Wie angesprochen wird ein Mitarbeiter, der selbst Schlagen hält, da kulanter sein.

Ich glaube, was da auch noch speziell Schlangenversicherungen angeht, sollte man sich besser ein Konto anlegen, auf das man einzahlt statt in eine Versicherung. Das kann man dann auch mal für etwas teurere Tierarztbehandlungen benutzen. Es wird natürlich schwierig, wenn man davon einen Krankentransport, einen Polizeieinsatz und Prozesskosten bezahlen muss... ;-)

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timo173
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Beitragvon timo173 » Do Jan 16, 2014 13:53

@JHeart
Eine Haftpflichtversicherung zahlt bei eigenen Fehlern die nicht im Vorfeld verhinderbar sind. Beispiel: Du fährst mit deinen Auto im Winter einen anderen hinter rauf. <---- hier wird denn geprüft ob du Winterreifen drauf hattest, ob du zu schnell gefahren bist...
(Natürlich prüft die Versicherung nicht auf ihre Kosten bei einen kleinen Blechschaden für 500 Euro.)

Bei potentiell gefährlichen Tieren ist ein ausbruchsicheres Gehege bzw. Terrarium (in unseren Fällen) pflicht.

Gruß Timo

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JHeart
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Beitragvon JHeart » Do Jan 16, 2014 15:01

timo173 hat geschrieben:@JHeart
Eine Haftpflichtversicherung zahlt bei eigenen Fehlern die nicht im Vorfeld verhinderbar sind. Beispiel: Du fährst mit deinen Auto im Winter einen anderen hinter rauf. <---- hier wird denn geprüft ob du Winterreifen drauf hattest, ob du zu schnell gefahren bist...
(Natürlich prüft die Versicherung nicht auf ihre Kosten bei einen kleinen Blechschaden für 500 Euro.)


Die Haftpflichtversicherung zahlt auch bei Auffahrunfällen die klar auf eigene Fehler zurückzuführen sind, denn ein Großteil von Auffahrunfällen sind einfach auf einen zu geringen Sicherheitsabstand zurückzuführen und das kann man in vielen Fällen auch genau so der Unfallbeschreibung entnehmen.

timo173 hat geschrieben:Bei potentiell gefährlichen Tieren ist ein ausbruchsicheres Gehege bzw. Terrarium (in unseren Fällen) pflicht.

Das steht ja außer Frage, aber auch da kann mal was passieren. Wenn zum Beispiel ein Lüftungsgitter vom Tier rausgedrückt wird, oder das Tier die Scheiben durch eigene Kraft aufschiebt, oder oder oder. Dann reicht es im ungünstigsten Fall auch, wenn die Kornnatter mitten im Hausflur auf einer Treppe liegt, der ahnungslose Nachbar die Treppe hochkommt und sich auf der Treppe so erschreckt, dass er zurück stolpert und die Treppe runterfällt.

Es gibt eben doch mehr als zwei Szenarien, bei denen eine Haftpflicht zum Einsatz kommt.


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