Biss einer Kreuzotter

Diskussionen zur Haltung von Giftschlangen.

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Njoerchie
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Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Njoerchie » Di Jun 06, 2017 6:26

Moin.

Ich war mit einem Freund vor 1 1/2 Wochen in einem kleinen Heidegebiet in NRW unterwegs.
Laut Verbreitungskarten und Forschung ist dort die Kreuzotter (V. berus) schon seit vielen Jahrzehnten ausgestorben, obwohl es keine 10km entfernt auf Militärgelände noch aktuelle Vorkommen gibt.

Ich war fast zwei Wochen lang fast jeden Tag in dem entsprechenden Gebiet unterwegs . Es wurden in der Zeit zahlreiche interessante Beobachtungen gemacht.

An einem der letzten Tage befanden wir uns zu zweit in einem schattigen, sehr leicht bewaldeten, feuchtem und kühleren Bereich. Ich habe sämtliche Touren dort in Short, T-Shirt sowie halbhohen Outdoorschuhen absolviert.
Wir knieten uns hin um einen alten Baumstamm umzudrehen auf der Suche nach interessanten Wirbellosen und Amphibien - die gesamten Touren dienten dazu sich einmal einen genauen Überblick über das Gebiet und dessen Artenvielfalt zu verschaffen.
An diesem Punkt hat mich dann unbemerkt eine junge Kreuzotter seitlich ins Knie gebissen (letztjährig / 2-jährig), die Schlange wurde von uns weder vor dem Biss noch dabei / danach bemerkt.
Wie gesagt, ich habe weder die Schlange noch den Biss bemerkt.
Wenige Minuten nach dem Zurückdrehen des Baumstamms verspürte ich einen starken Juckreiz an mehreren, verschiedenen Körperstellen - dieser ließ nach einigen Minuten auch wieder nach, meine Worte waren in diesem Moment an meinen Kollegen "Irgend etwas hat mich gebissen oder gestochen!".
Eine Stunde nach dem Biss setzte leichte Verwirrtheit ein, leichte Benommenheit und ein leichtes Panikgefühl.
Zwei Stunden nach dem Biss gesellten sich noch Übelkeit und Kältegefühl (evtl. sehr leichtes Fieber?) hinzu.
Zuletzt noch Kopfschmerzen, stark gesteigerte Aggressivität sowie Schwindelgefühl.
Zuhause angekommen legte ich mich auf die Couch, nach insgesamt 5 1/2 Stunden waren sämtliche Symptome wieder verschwunden.
Wieder klar im Kopf diskutierten wir darüber was wohl passiert sei - und zogen einen Kreuzotterbiss in Betracht.
Auf der Suche nach Bissmarken suchten wir meine Arme und Beine ab, was angesichts der zahllosen Brombeerverletzungen an den Beinen gar nicht so einfach war.
Letztendlich bemerkte ich am rechten Knie drei kleine Einstichstellen, die stark gerötet waren - das Tier muss wohl zwei Bisse angebracht haben, zwei der Löcher lagen gerade einmal 1mm auseinander.
Um die Bissmarken herum bildete sich eine harte Schwellung, das ganze sah aus wie ein überdimensionaler, flacher Pickel.
Während die Brombeerverletzungen schon lange verheilt waren, brauchen die Bissmarken immer noch ein wenig - eine leichte Rötung ist immer noch vorhanden.
Die Zähne der Schlange dürften anhand der Bissmarken etwa 6-7mm auseinandergelegen haben - deswegen auch die Erwähnung eines nicht adulten Tieres.

Leider ist es mir nicht gelungen bei mehrmaligem Absuchen des Geländes nach dem Biss eine Kreuzotter zu entdecken, aber sie sind sehr sicher dort.

Die Artenliste des Heidegebietes aus herpetologischer Sicht ist sehr interessant...Erdkröten, Kreuzkröten, Blindschleichen, unbestimmte Molche (junges Weibchen entdeckt)...aber was mich am meisten gefreut hat waren zwei Schlingnattern (subadultes Männchen und hochträchtiges Weibchen) sowie auf ca. 0,75qm2 geschätzte 500 Zauneidechsenpaare.

Der Biss hätte auch weitaus fataler ausgehen können.


VlG, Jörg

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Jensli
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Re: Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Jensli » Di Jun 06, 2017 8:15

Njoerchie hat geschrieben: Ich war fast zwei Wochen lang fast jeden Tag in dem entsprechenden Gebiet unterwegs . Es wurden in der Zeit zahlreiche interessante Beobachtungen gemacht.
Ja was denn - und dann hier ohne ein einziges Foto aufkreuzen? :-D
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Re: Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Don Pedro » Di Jun 06, 2017 8:24

Versteh' ich das jetzt richtig?
Man dreht einen Baumstamm um, wird dabei von einer Kreuzotter 2 mal in's Knie gebissen und bemerkt oder sieht vom Tier absolut nichts?
Immerhin würde der Abstand der "Bissmarken" von 6 - 7 mm nicht einem Jungtier, sondern einem subadulten/adulten Exemplar entsprechen.
Ich würde da durchaus auch etwas Anderes in Betracht ziehen.

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Jensli
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Re: Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Jensli » Di Jun 06, 2017 10:47

Njoerchie hat geschrieben: Eine Stunde nach dem Biss setzte leichte Verwirrtheit ein, leichte Benommenheit und ein leichtes Panikgefühl.
Zwei Stunden nach dem Biss gesellten sich noch Übelkeit und Kältegefühl (evtl. sehr leichtes Fieber?) hinzu.
Zuletzt noch Kopfschmerzen, stark gesteigerte Aggressivität sowie Schwindelgefühl.
Klingt nach mir, wenn ich zu wenig gegessen und getrunken habe. :lol:

Ich muss meinem Vorposter beipflichten - nichts gesehen, nichts gespürt...hmmm. Wenn du wenigstens Fotos von den Bissmarken gemacht hättest. Aber so ist es doch etwas zweifelhaft.
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Re: Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Njoerchie » Di Jun 06, 2017 22:43

Don Pedro hat geschrieben:Versteh' ich das jetzt richtig?
Man dreht einen Baumstamm um, wird dabei von einer Kreuzotter 2 mal in's Knie gebissen und bemerkt oder sieht vom Tier absolut nichts?
Immerhin würde der Abstand der "Bissmarken" von 6 - 7 mm nicht einem Jungtier, sondern einem subadulten/adulten Exemplar entsprechen.
Ich würde da durchaus auch etwas Anderes in Betracht ziehen.
Was würdest Du denn in Betracht ziehen?

Nein, natürlich habe ich das Tier nicht bemerkt, das wird im Moos / Laub gelegen haben.
Was soll daran unglaubwürdig sein?

Don Pedro
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Re: Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Don Pedro » Mi Jun 07, 2017 9:48

Wie schon erwähnt, stammen "Bissmarken" mit einer Weite von 6 - 7 mm nicht von einem sehr kleinen, sondern subadulten Tier. Adulti haben eine durchschnittliche Bissweite von ca. 8 - 9 mm (gemessen!) - insofern ist schon diese eine Behauptung falsch.
Dass man von einem subadulten Tier mit einer anhand der Bissmarken geschätzten Länge von immerhin 30 - 40 cm zweimal in's (nackte!) Knie gebissen wird, ohne den Biss/Stich überhaupt zu registrieren, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich bin kürzlich von einem juvenilen Exemplar gebissen worden, ohne es vorerst zu sehen, und spürte dennoch sofort, was geschehen war.
Zudem ist der Grossteil der beschriebenen Symptome sehr unspezifisch für einen Kreuzotterbiss, und die den Allgemeinzustand betreffenden Symptome (Verwirrtheit, Benommenheit, Panik, Übelkeit, Schwindel) stehen in keinem realistischen Verhältnis zur doch sehr schwachen angeblichen Lokalsymptomatik.
Der schnell auftretende Juckreiz "an verschiedenen Körperstellen" könnte Folge einer allergischen Reaktion sein - auf irgend etwas.
Ein Spinnenbiss käme hier genauso in Frage wie eine Reaktion auf die Stacheln irgend einer Pflanze, davon gibt's in Mitteleuropa so Einiges, was empfindlichen Menschen Schwierigkeiten bei blossem Kontakt bereiten kann. Dies ohne wirklich triftige Nachweise als Kreuzotterbiss zu bestimmen ist schon ein wenig verwegen.

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Claus
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Re: Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Claus » Mi Jun 07, 2017 12:10

Njoerchie hat geschrieben:Moin.
sowie auf ca. 0,75qm2 geschätzte 500 Zauneidechsenpaare.
VlG, Jörg
meintest Du evtl.75 m² oder eher 750 m² oder 0,75 km²?
0,75 m² würde z.B. eine Fläche von ca. 0,87 m x 0,87 m bedeuten.
Ich denke, dass man auf dieser Fläche die 1000 Zauneidechsen (500 Pärchen)
schichten/stapeln müsste, oder habe ich da etwas missverstanden?

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Re: Biss einer Kreuzotter

Beitrag von Njoerchie » Mi Jun 07, 2017 22:35

Claus hat geschrieben:
Njoerchie hat geschrieben:Moin.
sowie auf ca. 0,75qm2 geschätzte 500 Zauneidechsenpaare.
VlG, Jörg
meintest Du evtl.75 m² oder eher 750 m² oder 0,75 km²?
0,75 m² würde z.B. eine Fläche von ca. 0,87 m x 0,87 m bedeuten.
Ich denke, dass man auf dieser Fläche die 1000 Zauneidechsen (500 Pärchen)
schichten/stapeln müsste, oder habe ich da etwas missverstanden?
0,75km2 ;-)

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