Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Diskussionen zur Haltung von Giftschlangen.

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Seppuko
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Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Seppuko » Fr Okt 20, 2017 12:48

Hallo zusammen, ich fass hier mal meinen Einstieg in die Materie zusammen . Ich besitze noch keine eigenen Giftschlangen, übe jedoch mittlerweile mit 2 Mentoren und das jedes Wochenende und sehr intensiv.

Da sich bei mir die Faszination nach wie vor nicht gelegt hat und ich mit meinen Tieren gut zurecht komme habe ich Ende Juni begonnen mit einem Mentor an der Vorbereitung auf die Giftschlangenhaltung zu arbeiten. Generell ging es erst einmal an ungiftige Tiere und das benötigte Werkzeug(Stichwort: Haken) auch ordentlich benutzen zu können. Ich habe meinen Mentor dann auch häufig besucht und zwischenzeitlich dann auch die Gifttiere füttern und vorher in die Futterboxen setzen können. Darunter waren Aspidelaps scutatus, Atheris squamigera, Vipera ammodytes und Agkoistrodon contortrix pictigaster. Nachdem ich vorher schon mit den Haken intensiv geübt hatte durfte ich mich an diesen Tieren probieren, was natürlich unter Aufsicht geschehen ist. Vorweg kann man sagen das ich keine groben Fehler gemacht habe, jedoch erst einmal die Aufregung in den Griff bekommen musst um dann wirklich ruhig im Umgang mit den Tieren zu sein, denn wass mir schon beim Üben mit den Haken erklärt wurde war, dass umso ruhiger ich bin, desto ruhiger werden sich die Tiere in der Regel verhalten (Ausnahmen vorbehalten :lol: )

Wie oben angesprochen arbeite ich mittlerweile mit einem zweiten Mentor and den ich von Mentor 1 vermittelt wurde da ich so auch andere Tiere kennen lernen kann. Dieser hat unter anderem verschiedene Trimerusurus,Crotaliden, Bitis und Naja in seinem Bestand. Für die Naja interessiere ich mich ungemein und je mehr ich mich in der Theorie mit den Tieren auseinander gesetzt habe je größer wurde die Faszination. Nun sind natürlich schon einige Wochenenden vergangen in denen ich bei beiden Mentoren verschiedenste Arbeiten erledigen konnte (Wasser wechseln, Kot entfernen , Fütterung, Natternhemden auf Vollständigkeit überprüfen und aus den Terrarien entfernen) und dazu werden die Tiere in den meisten Fällen aus dem Terrarium entnommen. Zum Sprühen oder Wasser wechseln muss das je nach größe des Wasserbeckens zwar nicht sein(Da man es mit einer Zange aus dem Becken nehmen kann und später mit einer Flasche mit langer Düse füllen kann) jedoch kann man so das Substrat auch ordentlich nach Kot absuchen ohne mit seinem Leben zu spielen. Bei Mentor °2 habe ich angefangen Crotalus stephensi zu handlen da dies seine ersten Giftschlangen und auch seine ruhigsten Tiere sind. Die Beiden haben wirklich ein engelsgleiches Temperament ,jedoch bin ich mir über die Fähigkeiten dieser Tiere und ihre potentielle Giftwirkung im klaren und lasse ihr ruhiges Verhalten mein Bild nicht verfälschen. Das erste mal eine Klapperschlange auf den Haken sitzen zu haben war seltsam. Die Tiere sind verhältnismäßig schwer und wenn man die Haken zu weit auseinander setzt dann flutschen sie einem durch. Dies ist mir zwar noch nicht passiert , jedoch habe ich gemerkt das die Tiere auf dem Haken quasi 0 Körperspannung aufbauen und durchhängen. Es gibt zwar bis auf C. pyrrhus keine Klapperschlange die ich persönlich halten möchte, jedoch finde ich das die Erfahrung die man so sammeln kann unbezahlbar ist .

Was sehr schön ist, ist auch das der theoretische Teil , um den man sich in meinen Augen als potentieller Einsteiger sebst zu kümmern hat, immer wieder in den Vordergrund kommt und man gezielt gefragt wird. Das mag von Bezahnung der Schlangen über Antivenine bis hin zur Giftwirkung und zur Notfallmappe reichen und es ist immer wieder erstaunlich wie schnell man sich Dinge aneignen kann die einen sehr interessieren (oder man die Lücken in seinem Wissen aufgezeigt bekommt um daran arbeiten zu können)

Das Highlight meines ersten Besuches war mein erster Kontakt zu einer Naja pallida ,welche sich als sehr kooperativ erwies. M2 erklärte mir vorher anhand einer Attrappe noch einmal den Vorgang des Tailens und das wenn "Runter sagt" ich Tier und Haken sofort los lassen solle. Wir setzten unsere Visiere auf um uns vor eventuellem Gespucke zu schützen und ich öffnete vorsichtig die Tonne in der sich das Tier befand. Das Tier hatte zwar in der Tonne schon gerotzt als sie noch geschlossen war jedoch verhielt es sich ganz ruhig als ich es mit dem Haken wie besprochen erst einmal aus der Tonne führte und es auf den Boden kriechen lies. Ich stellte die Tonne aus dem Weg und lies sie über den Haken kriechen welche ich dann in der Hälfte des Tieres anhob. Das Tier kroch erwartungsgemäß weiter und ich habe den Haken weiter angehoben um den Schwanz auf der Höhe der Kloake greifen zu können. Das Tier fauchte einmal kurz aber hat sich nicht einmal aufgestellt noch ist es hektisch geworden. Ich hab das Tier schließlich im vorderen drittel mit dem Haken angehoben und es ins Terrarium kriechen lassen und die Türe mit dem Haken wieder geschlossen und muss sagen das das schon ein sehr intensives Gefühl war diesen Vorgang selbständig auszuführen. (M2 stand mit einem Haken daneben und war natürlich jederzeit Bereit einzuschreiten sollte es notwendig sein.)

Mitlerweile sind wir so weit das auch schon die Naja Nivea aus dem Terrarium nehmen kann und sie per Tailing in ihre Box setze während wir an den Terrarien arbeiten und ich muss sagen die sind von der Geschwindigkeit doch schon eine ganz andere Hausnummer. Dieses Intensive ist jedenfalls sehr gut und ich merke bei jedem Mal Fortschritte um Umgang mit den Tieren und habe sowohl in M1 als auch in M2 kompetente Ansprechpartner gefunden die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Bei M1 habe ich letzte Woche die Fütterung noch einmal durchgeführt und das erste mal Naja siamensis hantiert . 1.1 sitzen zusammen in einem Terrarium, jedoch war dies nach kurzem besprechen wie ich gerne vorgehen möchte auch kein sonderliches Problem. Die Tiere haben gut kooperiert und waren schnell in ihren Tonnen und wurden dort mit Futter versorgt bevor es zurück ins Terrarium ging, und das ohne zu spucken.

Wenn Interesse besteht kann ich gerne hin und wieder berichten was ich so gemacht habe und zu guter letzt hänge ich mal ein paar Bilder an die an unterschiedlichen Tagen entstanden sind. (Wir versuchen ab und an immer mal ein Bild zu machen , auch wenn sieht das mir Gabunvipern nicht so zusagen . :lol:
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Jensli
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Jensli » Fr Okt 20, 2017 12:56

Sehr interessanter Bericht. Gerne mehr davon! :-)
Die Dionenatter: http://www.dionenatter.de

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Matthias
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Matthias » Fr Okt 20, 2017 13:38

Hallo,
sehr schöner Bericht. Gerne mehr davon.
Gruß
Matthias

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IceTea
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon IceTea » Sa Okt 21, 2017 15:24

Traumhaft die Bilder. Besonders Nummer 2 hat es mir angetan.


Gerne mehr davon ;-)
Gruß
IceTea

Seppuko
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Seppuko » Sa Okt 21, 2017 23:56

So heute habe ich wieder bei M2 meinen Tag verbracht. Wir haben die Liste für die Fütterung der Tiere vorbereitet und zusammen nach gesehen welche Tiere welche Futtertiere bekommen. Wer was zu fressen bekam lasse ich mal aussen vor da es nicht wirklich zur Sache tut. Wir gingen an damit das ich 1.0 Naja nivea aus dem Terrarium dem Terrarium nehmen sollte. Ich habe das Versteck des Tieres mit einem Haken umgedreht und das Tier machte sich gerade als ich mit dem Haken unter es wollte auf den Weg zur anderen Seite des Terrariums um mir zu entkommen. Glücklicherweise könnte ich die Situation schnell auflösen und das Tier aus dem Terrarium herausnehmen. Das Tier wurde von mir getailed und verhielt sich ausgesprochen ruhig, was sich jedoch als eine Finte herausstellen sollte. Wir wollten unser Foto machen und ich glaube das Tier ist kamerascheu. Ich stellte mich in Position, das Handy wurde gezückt und das Tier drehte auf, so das ich es absetzen musste. Allerdings wurde das Tier so hektisch das mein Mentor daraufhin eingreifen musste und die Situation erstmal entschärfte. Ein bisschen aus der Rolle musste ich mich erstmal kurz sammeln und tailte das Tier erneut jedoch und wir machten unser Bild jedoch wird da einigen auffallen das ich das Tier ungünstig gehalten habe aber darauf gehe ich gleich über dem Bild noch einmal ein. Ich packte das Tier in eine Box und mein Mentor packte die 1.0 Naja naja in eine Tonne und 0.1 Naja nivea in eine Box, da diese Tiere von ihrem Verhalten noch über meiner Liga spielen. Als nächstes packte ich 1.1 Crotalus Stephensi in Boxen (seine Tiere sind absolut entspannt und bleiben absolut ruhig auf dem Haken) und dann musste ich noch 1.1 Trimerusus albolabris und 1.0 Crotalus adamsnteus verstauen. Wir fütterten die Tiere und es ging ans zurücksetzen. Auch mein schwieriger Freund das Nivea Männchen war wieder an der Reihe in sein Heim zu kommen und ich setzte es ,diesmal auch richtig detailed, zurück in sein Terrarium , schloss die Tür und das Abenteuer für diesen Tag war erledigt. Zum Schluss habe ich noch 1.1 Naja pallida aus ihren Terrarium genommen , was jedoch rein zu Übungszwecken stattfand und auch reibungslos funktuonierte.

Zum Füttern bei Kobras bleibt zu sagen das ich die Tiere so füttere das ich im 90° Winkel zum Kopf stehe, so das das Tier wenn es das Ziel verfehlt, was bei Kobras schon mal vorkommt, nicht mich erwischt sondern ins Leere schnappt. Ich weiß nicht ob man versteht was ich genau meine , ich halte das Futter halt von der Seite so vor das Tier das ich nicht in einer Linie mit dem Futter bin. :lol:

So nun noch ein Foto , wie ich bereits schrieb und wie die Experten auch sehen werden habe ich das Tier zu weit hinten am Schwanz in der Hand. Man sollte das Tier aus zwei Gründen weiter vorne an der Kloake packen. Erstens weil man so das Verletzungsrisiko für das Tier minimiert und zweitens weil man einfach eine viel bessere Kontrolle über das Tier hat.

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Matthias
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Matthias » So Okt 22, 2017 0:05

Hallo,
interessante Fortführung. Bei den Bildern fällt mir auf, dass du immer in die Kamera schaust. Ich würde immer das Tier im Blick behalten ;-)
Gruß
Matthias

Seppuko
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Seppuko » So Okt 22, 2017 0:32

Hey Matthias,

Das liegt daran das ich immer für nen ganz kurzen Moment zur Kamera schaue . Wir haben dann zig Bilder, aber du hast vollkommen Recht, bei so einem Kaliber sollte einem die Kamera egal sein. Danke für dein Feedback :-)

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Claus
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Claus » So Okt 22, 2017 15:15

Den ganze Mentorenscheiß erledige ich mit zwei Stunden Viperkeeper auf youtube.

Nein, ich schreibe jetzt nicht dazu, dass es ironisch gemeint ist. ;-)

So, und jetz ernsthaft.
Es gefällt mir sehr, wie Du den Einstieg in die Giftschlangenhaltung angehst.
Ebenso ein Lob an Deinen Mentor.

Vielleicht sollte man mal die ganzen vernüftigen Threads zu diesem Thema zusammenstellen und jedem Neuling,
der sich in den Kopf gesetzt hat, eine Mamba wär wohl das Richtige, so für den Anfang, als Link anzubieten,
damit man nicht immer wieder die gesamte Prozedur aufs Neue durchkauen muss.

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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon Tobiaskondaschwanz » So Okt 22, 2017 21:30

Bild zwei... Wunderschönes Tier!

Weiterhin Glück und Freude mit den Tieren. Super Bericht!



Mit freundlichen Grüßen Tobias.

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peregrinus
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Re: Mein Einstieg in die Giftschlangenhaltung

Beitragvon peregrinus » Mo Okt 23, 2017 17:21

Warum haben die Terrarienschlösser eigentlich alle keinen Schließzylinder? (fiel mir gerade so auf ;-) )

Ich denke auch, dass du das gut angehst. Ich würde es mir auch bei anderen Tierhaltungen so wünschen - statt Verboten, was gefährliche Tiere angeht, sollte ein Sachkundenachweis mit 6-monatigem Praktikum bei Haltern Pflicht sein.


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