Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Diskussionen zur Haltung von Giftschlangen.

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ExPat
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Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von ExPat » Mo Apr 30, 2018 10:45

Guten Tag,
Wie kommt es zu Stande, dass eine höchst interessante Gattung, die auch noch annähernd ideale Charakteristika an den Tag legt, so unterreprässentiert ist? Hochspezialisierte Grubenottern, die wirklich herausragend schön sind, man schau da nur die wunderbaren saxatilis und/oder brevicaudus, von den knallorangenen Exemplaren der Halysotter gar nicht zu sprechen? Selbst man KBV mag, wird man fündig.
Sie sind handlich und selten schlecht gelaunt, sehr anpassungsfähig (Gloydius rubromaculatus lebt auf tibetanischen Hochplateaus und lebt von Motten).
Sind Terrarianer einfach zu bekloppt?

GlückAuf
ExPat

Spielverderber
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von Spielverderber » Mo Apr 30, 2018 11:51

ExPat hat geschrieben:Sind Terrarianer einfach zu bekloppt?
Interessen sind im Idealfall individuell. Nur weil eine Person die Interessen einer anderen nicht teilt, ist nicht zwangsläufig einer von beiden bekloppt.

Reptilienhalter sind in erster Linie eins: Menschen. Menschen neigen dazu Trends hinterherzurennen, anstatt sich aus eigener Initiative eine Meinung zu bilden, und aus der Vielfalt erhältlicher Terrarientiere selbständig eins auszusuchen, das dann vielleicht abseits des Mainstream liegt.

Meiner Erfahrung nach liegt das Hauptproblem vieler Arten der Gattung in der Aufzucht der Jungtiere. Wer seine Viecher mit Gott weiß was stopfen will, bis sie vielleicht irgendwann das Futter annehmen, das der Halter voraussetzt, wird sicher gewisse Erfolge haben. Der Rest müßte einen erheblichen Aufwand für eine angemessene Futtertierzucht betreiben, oder für viel Geld und mit erheblichem Risiko Futtertiere kaufen. Ich erinnere mich noch lebhaft wie schwierig es war, Amphibien in passender Größe halbwegs günstig zu bekommen, die dann vor dem verfüttern in Quarantäne zu halten und immer zu hoffen, daß die eigene Zucht endlich produktiv genug wird...

...die Gattung Gloydius möchte ich in meinem Bestand dennoch nicht missen.

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snekpanda
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von snekpanda » Mo Apr 30, 2018 13:06

Spielverderber hat geschrieben: Reptilienhalter sind in erster Linie eins: Menschen. Menschen neigen dazu Trends hinterherzurennen, anstatt sich aus eigener Initiative eine Meinung zu bilden, und aus der Vielfalt erhältlicher Terrarientiere selbständig eins auszusuchen, das dann vielleicht abseits des Mainstream liegt.
Ich denke auch dass das das Haupt"problem" ist. Ich bin ja noch nicht all zu lange in der szene, aber der erste hype der mir so richtig aufgefallen ist ist das mit den Atheris squamigera.. Die Tiere gibts ja schon wesentlich länger in gefangenschaft als jetzt wo alle auf ein mal squams wollen.

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Claus
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von Claus » Mo Apr 30, 2018 14:57

@ExPat
KBV?
Meinst Du damit etwa (nach O´Hanlons Kongofieber) Kleine Braune Viecher? ;-)

Ansonsten hat hier Spielverderber schon alles gesagt.
Das betrifft ja die ganze Terraristik. Es gibt so viele interessante Arten, darunter auch gut zu pflegende (keine Futterspezialisten),
die weder nachgefragt werden geschweige denn auf dem Schirm der Pfleger sind.
Schau einfach in den Einsteigerforen nach. Da beginnt doch schon die Misere. Man fragt nach Haltungsbedingungen von Köpi, Korni
und Barti (bei den Echsen) und als Variationen dazu mit het-amel-striped-caramel-waldmeister-Geschmack.
Und dann weiß man als Anfänger ja schon, dass man die nicht nachziehen soll, weil gibt es ja genug - aber dann ist es halt passiert, hat man gerade nicht aufgepasst und die sind ja aber auch so voll süß. Aber ist ja nicht so schlimm, weil aus der Nachbarschaft die Kleine ist ja so begeistert, da habe ich dann schon mal eine los. Auf jeden Fall bekommt die Keiner, der sie verfüttern will u.s.w.u.s.f.
Und schon haben wir das Problem mit den Exoten im Tierheim und damit ein weiteres Argument für die Exotengegner und somit einen weiteren Sargnagel für das Hobby Terraristik.

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Matthias
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von Matthias » Mo Apr 30, 2018 20:56

Hallo,
vielleicht sollten wir erstmal definieren, was unbeliebt bedeutet. Gemessen an den ganzen Carmel-Kirsch-Vanille Farbzuchten von Kornnatter und Königspython sind die Gloydius schon relativ selten, genau wie viele andere Schlangenarten auch, die eben keine Modetiere für die breite Masse sind.
snekpanda hat geschrieben:Ich bin ja noch nicht all zu lange in der szene, aber der erste hype der mir so richtig aufgefallen ist ist das mit den Atheris squamigera
Und genau das ist der springende Punkt, du bist noch nicht so lange dabei. Hinzu kommt das Problem der "Filterblase" in Social Media. Atheris squamigera, Trimeresurus albolabris, Aspidelaps lubricus, ... sind eben beliebte Arten für den Einstieg in die Haltung von Giftschlangen. Auch da gibts immer mal wechselnde Trends. Mal sind die Agkistrodon contortrix "in" und mal sinds eben die Atheris oder die anderen. Zusammen mit ein paar Crotalus und Najas sind das eben auch nichts anderes als "Mainstream"-Arten ;-) .

Führt jetzt zwar etwas weg vom Thema, aber der ein oder andere bewegt sich ja nur in diese Ecke der Schlangenhaltung, weil er eine kleine Herausforderung sucht. Kaum einer scheint dabei aber zu berücksichtigen, dass die ganzen gängigen Arten alle leicht zu realisierende Haltungsparameter haben. Da gibts genug ungefährliche Arten, die einen deutlich mehr in der Haltung fordern.
snekpanda hat geschrieben:Die Tiere gibts ja schon wesentlich länger in gefangenschaft [...]
Bitte auf die Wortwahl achten. Nachzuchten sind Tiere in menschlicher Obhut und keine Gefangenen ;-)
Gruß
Matthias

Spielverderber
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von Spielverderber » Mo Apr 30, 2018 21:20

Matthias hat geschrieben:Bitte auf die Wortwahl achten. Nachzuchten sind Tiere in menschlicher Obhut und keine Gefangenen ;-)
Was ist an der Wortwahl falsch? Vielleicht machen wir ein neues Thema daraus? Bist Du der Meinung, Terrarientiere in der F-irgendwas-Generation sind keine Wildtiere mehr, die in Gefangenschaft leben? Sollten nur Wildfänge als Wildtiere bezeichnet werden? Was unterscheidet die Nachzuchten dieser Wildfänge von ihren Eltern, ausser, daß sie in Gefangenschaft/Terrarienhaltung zur Welt kamen? Sind Wildfänge immer schlecht und NZ immer gut? Ist das dauerhafte Leben in einem geschlossenen Kasten nicht in jedem Fall die Definition von Gefangenschaft?

Ich will den Tierrechtlern kein Öl ins Feuer giessen. Ich finde jedoch, wir Reptilienhalter selbst sollten die Dinge klar und sachlich beim Namen nennen und nichts schönreden. Anderenfalls ist es nur eine Frage der Zeit bis zur ersten Positivliste, die dann von ausserhalb der Terrarien nicht mehr überlebensfähigen, weil kaputtge"züchteten" Tieren geprägt ist. Ja, wir pflegen Wildtiere in geschlossenen Behältern und somit in Gefangenschaft. So what?!

Rbn
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von Rbn » Mo Apr 30, 2018 21:29

Matthias hat geschrieben: Und genau das ist der springende Punkt, du bist noch nicht so lange dabei. Hinzu kommt das Problem der "Filterblase" in Social Media.
Ja, stimmt und gilt auch für mich, dass ich noch nicht so lange in der Community dabei bin. Allerdings kann ich den Hype um die A. squamigera auch nicht nachvollziehen.

Es gibt nur recht wenige Tierchen der giftigen Sorte, die ich wirklich so schön fände, dass ich Sie mir trotz ihrer Giftigkeit anschaffen würde. (Ich betone das trotz deshalb, weil einem bei der Äußerung von Interesse an Gifttieren gelegentlich nur die Suche nach dem "Kick" nachgehalten wird.)
Immerhin bedeutet es je nach Wohnsituation und Bundesland, in welchem man residiert einen nicht unerheblichen Aufwand solche Tiere überhaupt halten zu können/dürfen. Stichwort Platz, Erlaubnis des Vermieters, Genehmigungen, Mitgliedschaft im SDB, ggf. noch zu erlangende Fachkenntnis oder sogar einen Umzug, wenn einem das Hobby so wichtig ist und das eigene Bundesland sich quer stellt.

Derzeit ist die einzige Art, bei der ich mir das wirklich gut vorstellen könnte H. haemachatus. Da gibt's in meinen Augen einfach unglaublich schöne Exemplare von. Glückwunsch übrigens an Peter zu so seinem sehr schönen Männchen. Bis dahin ist es aber wohl noch ein weiter Weg, da man sich als "Neuling" dann ja auch nicht gleich an die eher selten gehaltenen Tiere traut. Zumal da auch wieder das Problem ist einen Mentor zu finden etc... Da hängt also ein Rattenschwanz dran, weshalb vermutlich von der Allgemeinheit im schnitt auch eher auf leichter erhältliche Arten (und manchmal auch als harmlos geltende Arten) wie A. lubricus zurückgegriffen wird, zusätzlich dazu, dass es ein "Trendtier" ist.

Und Edit noch kurz zu Gloydius sp.. Ich kannte die Gattung bisher garnicht, da ich noch nie darauf gestoßen bin. Die weniger bekannten Tiere führen leider gelegentlich ein tragisches Schattendasein. Das kann man nur ändern indem man die Arten bekannt macht, wie es bis vor einiger Zeit ein User mit der Dionennatter getan hat. Die ebenfalls vollkommen zu unrecht ein Schattendasein unter den "Einsteigernattern" führt.

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Matthias
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von Matthias » Mo Apr 30, 2018 22:31

Hallo,
@Spielverderber: Die Wortwahl ist eher politischer Natur im zoologischen Sprachgebrauch. ;-)
Gruß
Matthias

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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von ExPat » Di Mai 01, 2018 3:09

Unbeliebt: Die Züchter sitzen drauf:) Sie gehen eben in Hamm im Giftraum unter, habe ich so den Eindruck. Als Jungtiere nicht sonderlich spektakulär, der Ottonormalverbraucher kennt sie vielleicht nicht-> wenig reges Interesse.
Und ja, Claus, kleine braune Viecher :)
Aber man muss nur mal schauen, was diesen Leuten entgeht. (Internetbilder, copyright liegt bei den Bildautoren, mehr Informationen unter den Links)
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Drei der gängisten Arten, klein, wunderschön, keine Nahrungspezialisten. Interesse->0

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snekpanda
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Re: Gloydius sp., warum so unbeliebt?

Beitrag von snekpanda » Di Mai 01, 2018 8:52

Matthias hat geschrieben:Und genau das ist der springende Punkt, du bist noch nicht so lange dabei.
Weiss jetzt nicht was das mit der Aussage die ich gemacht hab am Hut hat, weil die war korrekt obwohl ich noch nicht lange dabei bin. Hype ist hype, ob Aspidelaps oder Atheris.
Edit: Vielleicht hab ich mich unklar ausgedrückt. Ich meinte damit nicht dass ich meine dass der Atheris Hype der einzige Hype war. Sondern einfach der Erste den ich persönlich miterlebt hab.

Zum Thema mit der Wortwahl.. Meine Tiere sind mir nicht freiwillig in nen geschlossenen Glaskasten, in dem sie den rest ihrer Tage verbringen werden geschlängelt :lol: Was nicht heissen soll dass ein Terrarium nicht Artgerecht sein kann.
Ausserdem gibts ja nicht nur NZ, vor allem bei A. squamigera werden momentan (da sind wir wieder beim Hype) extrem viele Tiere importiert.

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