Neue paper zur Hoser Taxonomie...

Diskussionen zur Systematik und Taxonomie von Reptilien, Amphibien und Wirbellosen

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Mr. Monk
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Beitrag von Mr. Monk » Fr Mär 22, 2013 0:30

domino hat geschrieben: Nein, eben ein solches gibt es nicht. Sind die formalen Regeln eingehalten worden, dann ist der Name verfügbar und muss verwendet werden, ganz egal ob er wissenschaftlich valide ist oder nicht. Denn nicht der Name ist valide, sondern das diesen Namen tragende Taxon.
Es gibt niemanden der mit anderen entscheidet, das z.B. der Python reticulatus zum
Broghammerus reticulatus wird?Wie läuft denn das ab?
Schlägt einer etwas vor (wie beim Netzpython, wo Anhand von Genanalysen bewiesen
wurde, das er nicht mehr innerhalb der Gattung Python bleiben kann) und wenn
es dann plausibel erscheint, stimmen einfach alle Herpetologen zu?

Heißt ein Tier nach der Veröffentlichung einer neuen Arbeit eigentlich sofort so, wie sie jetzt heißen muss bis jemand Einspruch einlegt, oder fragt man vorher einmal um die Welt rum?
domino hat geschrieben: Ja, ist es. Es gibt aber auch seriöse Wissenschaftler, die das mal gemacht haben. Eine schöne Geschichte ist die von dem Wissenschaftler Underwood, der eine Echse deshalb underwoodi nannte, weil er sie unter einem Ast gefunden hat und nicht weil er selber so heißt. Ein Schelm wer böses dabei denkt...
Wie ist das denn bei dem Morelia bredli? Der wurde doch nach dem Vater von
Rob Bredl benannt, nicht wahr? Wäre so was denn seriös, weil vorm Darwin
hat man Tiere ja auch nach Menschen benannt, die besonders hilfreich bei der
Erforschung des Tieres waren (Entdecker).
domino hat geschrieben: Nein, eben ein solches gibt es nicht. Sind die formalen Regeln eingehalten worden, dann ist der Name verfügbar und muss verwendet werden, ganz egal ob er wissenschaftlich valide ist oder nicht. Denn nicht der Name ist valide, sondern das diesen Namen tragende Taxon.
Das hieße, ich könnte das auch, wenn ich die Regel beachte?:-o
Auch als totaler Laie der keine Ahnung davon hat (wie ich :lol:)?
Das könnte ja wieder im Chaos enden, wie früher im 1900 Jahrhundert.

Wenn dich die Fragen stören, kannst Du es ruhig sagen!;-)

Schöne Grüße
Pascal
„Wenn du etwas weißt,sage es; wenn nicht, gib dies zu. Das ist wahres Wissen.“

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WW
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Beitrag von WW » Fr Mär 22, 2013 9:52

Mr. Monk hat geschrieben:
domino hat geschrieben: Nein, eben ein solches gibt es nicht. Sind die formalen Regeln eingehalten worden, dann ist der Name verfügbar und muss verwendet werden, ganz egal ob er wissenschaftlich valide ist oder nicht. Denn nicht der Name ist valide, sondern das diesen Namen tragende Taxon.
Es gibt niemanden der mit anderen entscheidet, das z.B. der Python reticulatus zum
Broghammerus reticulatus wird?Wie läuft denn das ab?
Schlägt einer etwas vor (wie beim Netzpython, wo Anhand von Genanalysen bewiesen
wurde, das er nicht mehr innerhalb der Gattung Python bleiben kann) und wenn
es dann plausibel erscheint, stimmen einfach alle Herpetologen zu?

Heißt ein Tier nach der Veröffentlichung einer neuen Arbeit eigentlich sofort so, wie sie jetzt heißen muss bis jemand Einspruch einlegt, oder fragt man vorher einmal um die Welt rum?
Ein neuer Name steht nach der Veröffentlichung sofort zur Verfügung, und muss verwendet werde wenn er der älteste verfügbare Name für ein Taxon ist, das aufgrund biologischer Erkentnisse anerkannt werden soll, ganz gleich ob die Namensgebung selber wissenschaftlich begründet war. Ob ein neuer Name verwendet wird hängt größtenteils davon ab. ob andere Herpetologen von der biologischen Validität des neuen Taxons überzeugt sind. Nur in Extremfälllen kommt es zu Widerstand. Das ist z.B. im Fall Broghammerus passiert, wo einige Autoren weiterhin den Namen Python bevorzugen, mit der Begründung, das Paper von Rawlings et al. sei noch provisorisch. Das würde mit ziemlicher Sicherheit nicht so sein, wenn der neue Name nicht Hosers Broghammerus wäre.....



domino hat geschrieben: Ja, ist es. Es gibt aber auch seriöse Wissenschaftler, die das mal gemacht haben. Eine schöne Geschichte ist die von dem Wissenschaftler Underwood, der eine Echse deshalb underwoodi nannte, weil er sie unter einem Ast gefunden hat und nicht weil er selber so heißt. Ein Schelm wer böses dabei denkt...
Wie ist das denn bei dem Morelia bredli? Der wurde doch nach dem Vater von
Rob Bredl benannt, nicht wahr? Wäre so was denn seriös, weil vorm Darwin
hat man Tiere ja auch nach Menschen benannt, die besonders hilfreich bei der
Erforschung des Tieres waren (Entdecker).
Wulf, ich kenne keine Echse mit dem Artnamen "underwoodi", die von Underwood beschrieben wurde, und die Reptile Database enthält auch keine. Underwoodisaurus wurde von Wermuth beschrieben. Ich kannte Garth Underwood recht gut, er war ein ganz extrem bescheidener Mensch, und er wäre der allerletzte gewesen, der eine Art oder Gattung nach sich selber benannt hätte. Morelia bredli wurde nicht von Bredl beschrieben sondern von Grame Gow. Die Bredls waren lange in der australischen Herpetologie tätig, dername war also nicht unsinnig. Wie weit man mit der Benennung nach Kollegen usw. gehen darf, das ist wohl Geschmacksache, aber das Hoser über jedes normale Maß hinausgeht, das steht wohl für jeden fest.


domino hat geschrieben: Nein, eben ein solches gibt es nicht. Sind die formalen Regeln eingehalten worden, dann ist der Name verfügbar und muss verwendet werden, ganz egal ob er wissenschaftlich valide ist oder nicht. Denn nicht der Name ist valide, sondern das diesen Namen tragende Taxon.
Das hieße, ich könnte das auch, wenn ich die Regel beachte?:-o
Auch als totaler Laie der keine Ahnung davon hat (wie ich :lol:)?
Das könnte ja wieder im Chaos enden, wie früher im 1900 Jahrhundert.

Wenn dich die Fragen stören, kannst Du es ruhig sagen!;-)

Schöne Grüße
Pascal
Namen verleihen kann jeder. Verwendet werden müssten sie, wenn sich das eine ider andere Taxon als valide und ansonsten namenlos entpuppt. Die Nomenklaturregeln wurden von Gentlemen für Gentlemen geschrieben. Leider sind einige Menschen keine Gentlemen, und unser neuer Artikel schlägt entsprechende Massnahmen vor, um das Chaos einzudämmen.

Gruß,

WW

domino
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Beitrag von domino » Fr Mär 22, 2013 9:58

Hi Pascal,

nein, es gibt niemanden, auch kein Gremium, welches entscheidet ob ein Netzpython von Python reticulatus zu Broghammerus reticulatus wird. Es liegt alleine an der Arbeit in der diese Namensänderung vorgeschlagen wird, also an den Belegen für eine Änderung der Gattung oder Abspaltung in eine neue Art. Wenn andere Wissenschaftler diese Belege für plausibel halten, werden sie den neuen Namen verwenden, wenn nicht dann nicht. Das Problem ist aber nicht die wissenschaftliche Akzeptanz, also die Taxonomie, sondern die Nomenklatur. Denn selbst wenn niemand einen neuen Namen verwendet, weil die Arbeit keine Belege liefert oder nur Schrott ist, ist der Name verfügbar, wenn der Autor sich an die Regeln für die Nomenklatur gehalten hat. Wird dann z.B. Jahre später festgestellt (z.B. aufgrund neuer Untersuchungsmethoden) dass doch was an der Änderung dran ist, müssen die Autoren auf den alten Namen zurückgreifen und dürfen keinen neuen vergeben. Sie hatten die Arbeit, Hoser den "Ruhm".

Gültig ist ein neuer Name, sofern er den Nomenklaturregeln entspricht sofort bei Veröffentlichung der Arbeit, allerdings dauert es immer etwas, bis sich ein Name auch durchsetzt. Die Arbeit von Harvey et al. (2000), in der der Amethystpython-Komplex zerteilt wurde war gut gemacht und die Namen wurden von vielen sofort übernommen. Bei Broghammerus (Hoser 2004) hat niemand den Namen verwenden wollen, aber Rawlings et al. (2008) bewiesen den Unterschied und mussten den Namen verwenden. Heute ist er verbreitet...

Du kannst eine Art oder Gattung nennen wie Du willst, aber es ist unangemessen diese nach sich selber zu benennen. Allerdings kann man andere Leute damit ehren. Phillip Wagner aus Bonn hat beispielsweise jüngst eine Agame nach Thomas Wilms aus Köln benannt. Und auch ich habe eine Art nach demjenigen benannt, der diese Population zuerst entdeckte: Leiopython fredparkeri.

Ja, auch Du könntest neue Arten beschreiben oder sonstwas anstellen. Wenn Du den Regeln zur Nomenklatur folgst wird der Name verfügbar sein und wenn Du Glück hast, wird der Name, trotz einer noch so schlechten Arbeit irgendwann in allen Büchern stehen... Dein Ruf in der wissenschaftlichen Welt wäre je nach Güte Deiner Arbeit allerdings kaputt oder Du wirst akzeptiert. Leistest Du gründliche Arbeit - und glaub mir, das kostet viel Geld, Nerven und Lernen, dann sind die Belege, die Du finden kannst evtl. plausibel und der Name wird anerkannt.

Ahhh, Wolfgang war schneller :-D

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Mr. Monk
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Beitrag von Mr. Monk » Mo Mär 25, 2013 21:55

Hallo,

vielen Dank Euch beiden.:-D

Es ist ein interessantes Thema und ihr habt mir sehr geholfen.

Schöne Grüße
Pascal
„Wenn du etwas weißt,sage es; wenn nicht, gib dies zu. Das ist wahres Wissen.“

domino
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Beitrag von domino » Fr Apr 05, 2013 14:34

Hihi,

Hoser scheint mächtig angepisst zu sein wegen dem Artikel. Er hat eine Antwort darauf angekündigt, die rund 38.000 Wörter enthalten soll. Mal schauen, was daraus kommen wird. Ich freue mich schon :-D

Hier nochmal der Titel der Arbeit:

"Best Practices: In the 21st Century, Taxonomic Decisions in
Herpetology are Acceptable Only When Supported by a Body of Evidence and Published via Peer-Review".
!
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