Ist das Buch auch wirklich gut?

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domino
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Ist das Buch auch wirklich gut?

Beitragvon domino » Mi Nov 15, 2006 11:35

Hallo Zusammen,

aus gegebenem Anlass hier vielleicht nochmal ein paar Anmerkungen zum Umgang mit Literatur, deren Empfehlungen und Besprechungen.

Es kommt ja oft die Frage:
"Kennt jemand ein gutes Buch über Schlangen?" oder sowas wie
"Ist das Buch xxxxxx gut/empfehlenswert?"

Wie in einem früheren Postings bereits gesagt: Bücher sind weder gut noch schlecht. Sie enthalten Informationen, die für einen selber entweder brauchar sind, oder eben nicht!

Beispiel: Jemand der nach Informationen zu Kornnattern sucht, wird die Informationen wohl kaum in einem Buch über asiatische Giftschlangen finden, obgleich dieses Buch als das Beste seiner Art gilt :-) Das Buch ist "super", aber am Thema vorbei!

Klar kommt nun der Einwand, dass so eine Empfehlung keiner aussprechen würde
"So blöd sind wir auch nicht!"
Warum nicht, weil unser Verstand uns sagt, dass das am Thema vorbei wäre, richtitg! (Nun denkt bestimmt der ein oder andere der Kerl hat eine an der Klatsche :-) )
Können wir (die Forenuser) denn auch richtig abschätzen, was der Frager genau haben will, wenn er nach einem Buch über Kornnattern fragt? Oftmals nicht. Der eine sucht Haltungsangaben, der andere sucht Daten zur Verbreitung, ein Dritter sucht Infos zur Biologie von Kornnattern und und und...

Dann kommen Empfehlungen wie
"Das Buch habe ich auch, das ist klasse!" oder
"In diesem Buch findest Du reichlich Informationen zu Kornnattern!"

Zur ersten Antwort "Das habe ich auch..." ist zu sagen, nur weil der eine das Buch "gut" findet, heißt es noch lange nicht, dass ein anderer das auch tun muß. Wenn sich nun herausstellt, dass der eine garnicht lesen kann, das Buch aber viele tolle Bilder hat, findet er es bestimmt gut eben wegen der Bilder! Ist er ein Farbfetischist und in diesem Buch werden die Morphe erklärt, usw...

Wenn jemand ein Buch empfehlen will, dann sollte er das aufgrund der geschriebenen Informationen (nach eigener Beurteilung deren Qualität) tun, und nicht wegen der Bilder. Der eigentliche Sinn eines Buches (außer es ist ein Buch für ein Vorschulkind) ist es, geschriebene Infos zu geben. Bilder sind nur nettes Beiwerk und vielleicht zur Verdeutlichung da!

Die zweite Antwort "Dort findest Du viele Informationen..." ist da schon besser, jedoch, sind es auch genau die Informationen, die gesucht werden? Der Antworter hätte vielleicht seine Antwort ergänzen sollen um die Bereiche: "Dort sind viele Informationen zur Haltung und Pflege, zur Biologie und zu Farbmorphen drin!". Damit kann sich der Frager eine ungefäre Vorstellung machen, was ihn erwartet.

Nun mal zum Frager selber:
Je genauer er beschreibt, was er an Informationen such, zu welchem Bereich, in welcher Tiefe, desto besser kann man ihm auch Literatur empfehlen. Also eine Frage wie "Kennt jemand ein gutes Buch über Schlangen?" ist eigentlich nutzlos!
Sofort fallen eineem die dicken Schinken ein, die man selber am Anfang gelesen hat: viele Schlangenarten, viele Bilder, wenig Infos zu den einzelnen Arten, weil garkein Platz ist, alles ordentlich zu behandeln.
Erst später, wenn man auch andere (etwas speziellere) Literatur zur Hand hat, und man mal wieder in dem Schinken nachschlägt, fallen einem diese bösen kleinen Fehler in den Verbreitungskarten auf, die falschen Haltungsbedingungen und und und.... Solche Werke eigenen sich IMMER nur als grober Überblick, ganz gleich wer sie geschrieben hat!
Gibt der Frager aber ein konkreteres Thema (z.B. die Biologie) mit an, wird man wohl kaum mehr an einen dieser "dicken Schinken" denken, oder?

Ich erinnere mich da noch an eine Begebenheit: Damals fragte man auch nach einem Buch über australische Schlangen. Jeder empfahl den dicken Cogger, der nicht nur schwer sondern auch teuer ist, ich fragte genauer nach, welche Infos gebraucht werden und stellte fest, dass der Cogger völlig ungeeignet wäre und empfahl ihn nicht "Da steht nichts drin, was Dich interessiert!". Bekam ich auch sofort schwere Schelte, weil ich den großen Hal Cogger kritisierte...
Habe ich nicht, nur das Buch, welches er geschrieben hat, war ungeeignet für den Frager :-) Fingerzeige wie "Da ist der, der Cogger kritisierte..." :-D Das nur so nebenbei...

Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag zum Thema "...dann macht es doch besser..." oder "...dann zeigt mir doch erstmal Eure Diplome...".
Solche Aussagen sind natürlich völlig daneben, und zeigen deutlich, dass der, der so geantwortet hat, nicht verstanden hat, worum es bei der Literatur überhaupt geht.
Also nocheinmal zum mitlesen:
Was nützt es mir, wenn ein Herr Prof. Dr. Dr. rer. nat., seines Zeichens Biologie und Reptilienspezialist ein Buch über Kornnattern herausbringt, dieses bis ins tiefste medizinsche-biologische Wissen - sogar noch verständlich - vermittelt, wenn ich eigentlich ein Buch suche, welches vordergründing eher die Lebensweise, also die Ökologie behandeln sollte? Richtig: Es nützt mir garnichts, und wenn ich das Buch - für teuer Geld - erstmal angeschafft habe, fehlen mir immernoch die Informationen, die ich eigentlich haben wollte. Ich ärgere mich, und muß noch mehr Geld ausgeben für ein weiteres Buch! Das kann nicht der Sinn einer Buchempfehlung sein, oder?
Es hat auch überhaupt nichts damit zu tun - und läßt sich auch nicht "zwischen den Zeilen" herauslesen - dass man an der Qualifikation oder dem Wissen und der Erfahrung des Herrn Prof. Dr. Dr. etwas auszusetzen hat, nur sind die Informationen, die sein Werk enthält, in diesem Fall nicht die vom Frager gesuchten. Was nützt dem Fragen dieses Buch denn dann?

Ihr seht, es ist nicht einfach nach Literatur zu fragen und auch welche zu empfehlen: Wie immer muß man sich auch hier erst einmal selber Gedanken machen, was man an Informationen haben will und in welcher Tiefe (ein allgemeines Haltungsbuch oder eine wissenschaftl. Abhandlung auf höchstem Niveau) und das auch in der Frage klar rüberbringen! Die Empfehlungen sollten sich dann auch NUR auf das angegebene Thema bzw. den Bereich beziehen. Empfehlt also kein Buch über Morphe bei Kornnattern, wenn man was über die Biologie erfahren will! Bei einem allgemeinen Buch über Kornnattern kann man dann vielleicht noch sagen, dass da auch etwas über die Biologie drin steht, dieses aber nicht sehr ausführlich ist...

In diesem Sinne hoffe ich, dass künftig solche Diskussionen wie bei dem Buch von Trutnau ausbleiben und Fragende künftig ordentliche Buchempfehlungen erhalten damit sie genau die Informationen finden, die die suchen!

Viele Grüße,
domino

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